{"id":252,"date":"2018-03-25T23:52:57","date_gmt":"2018-03-25T21:52:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/?p=252"},"modified":"2018-05-13T21:38:41","modified_gmt":"2018-05-13T19:38:41","slug":"heiteres-beruferaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/heiteres-beruferaten\/","title":{"rendered":"Heiteres Beruferaten"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-255 alignleft\" src=\"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/FB-JobClub3-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/FB-JobClub3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/FB-JobClub3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/FB-JobClub3-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Ich bin jetzt Schriftstellerin. Bin ich jetzt Schriftstellerin?<\/p>\n<p>Irgendwann in der Schule \u2013\u00a0wahrscheinlich waren wir in der Mittelstufe, aber so genau wei\u00df ich das nicht mehr \u2013\u00a0fanden unsere Lehrer oder der Lehrplan, dass es eine gute Idee sei, sich mit der Berufswahl eingehender zu besch\u00e4ftigen. Also fuhren wir ins BiZ, das Berufsinformationszentrum, irgendeines Arbeitsamtes. Das gibt&#8217;s \u00fcbrigens immer noch, wie ich k\u00fcrzlich in Leipzig bei meiner Lesung im &#8222;Job Club&#8220; feststellen durfte.<\/p>\n<p>Im BiZ der 1980er Jahre reihten sich meterweise sauber beschriftete Ordner in alphabetischer Reihenfolge aneinander, darin abgeheftet: Faltbl\u00e4tter zu allen nur erdenklichen Berufen, mit Kurzbeschreibung, erforderlichen Qualifikationen und Verdienstm\u00f6glichkeiten. Vermutlich weil sich die Beschreibung wenigstens ann\u00e4herungsweise mit dem vereinbaren lie\u00df, was mir lag, kopierte ich mir aus einem der letzten Ordner das Faltblatt mit der \u00dcberschrift &#8222;Redakteur\/Redakteurin&#8220;. Ich erinnere mich gut an die tr\u00f6stliche Sicherheit, die von diesen Seiten ausging. Um irgendwann zu sein, was man werden wollte, musste man nur einen Katalog von Punkten erf\u00fcllen. Am Ende der Liste, wie nach Vollendung eines Zauberspruchs, war man dann dieses Etwas und damit auch ein Jemand.<\/p>\n<p>Dass es damals auch das Faltblatt &#8222;Schriftsteller\/Schriftstellerin&#8220; gab, wage ich zu bezweifeln.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">Der Brockhaus jedenfalls fasst in aller K\u00fcrze zusammen: &#8222;Schriftsteller,\u00a0(berufsm\u00e4\u00dfiger) Verfasser literarischer Werke.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Lexikon, das \u00fcbrigens heute noch konsequent nur die m\u00e4nnliche Form auff\u00fchrt, schweigt sich nat\u00fcrlich \u00fcber erforderliche Qualifikationen und Verdienstm\u00f6glichkeiten des Schriftstellers aus. Wikipedia versucht eine Ann\u00e4herung \u00fcber die Wortherkunft (die mir als alte Sprachhistorikerin etwas, sagen wir mal, l\u00fcckenhaft vorkommt) und \u00fcber eine Art Selbstbild-Fremdbild-Beschreibung. Von Schriften mit literarischem Anspruch ist da die Rede, keinesfalls erschienen im Selbstverlag, von Verkaufszahlen und Rezensionen und von der M\u00f6glichkeit, damit &#8222;seinen Lebensunterhalt \u2026 zu bestreiten&#8220;. Ob es sich bei dieser Aufz\u00e4hlung um ein aufeinander aufbauendes System, quasi die vier Grade der Schriftstellerei, handelt?<\/p>\n<p>Wo die Theorie nicht weiterhilft, bedarf es der Empirie. Meine bisherige Feldforschung hat ergeben: Schriftsteller, das sind so betont nachl\u00e4ssig gekleidete Existenzen, die mit jeder sprachlichen Absonderung, die sie in die Welt entlassen, ihren geschliffenen Geist demonstrieren m\u00fcssen, oder zumindest ihre coole Intellektualit\u00e4t. Das ist die Fortsetzung des Germanistikstudenten mit anderen Mitteln. Manche sind auch einfach nur so Nette (nicht mit der Gedichtform zu verwechseln). Meist sind es M\u00e4nner in Hemden, ohne Krawatten, mit Sakkos in gedeckten T\u00f6nen, eitle M\u00e4nner mit manik\u00fcrten H\u00e4nden, die Rotwein trinken und nach Italien fahren, wie die Redakteure oder Studienr\u00e4te, die sie auch fast geworden w\u00e4ren. Und Schriftstellerinnen? Fortsetzung folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich bin jetzt Schriftstellerin. Bin ich jetzt Schriftstellerin? Irgendwann in der Schule \u2013\u00a0wahrscheinlich waren wir in der Mittelstufe, aber so genau wei\u00df ich das nicht mehr \u2013\u00a0fanden unsere Lehrer oder der Lehrplan, dass es eine gute Idee sei, sich mit der Berufswahl eingehender zu besch\u00e4ftigen. 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