{"id":228,"date":"2017-10-13T08:26:27","date_gmt":"2017-10-13T06:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/?p=228"},"modified":"2018-05-13T21:38:41","modified_gmt":"2018-05-13T19:38:41","slug":"springer-auf-1a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.daniela-engist.de\/blog\/springer-auf-1a\/","title":{"rendered":"Springer auf 1A"},"content":{"rendered":"<p>Wenn das Laub f\u00e4llt, wirbelt der Wind durch den gro\u00dfen Literaturwald. Wer jetzt keine Lesungen hat, bekommt keine mehr. Dummerweise sind fast alle warmen Pl\u00e4tzchen schon seit Fr\u00fchjahr vergeben. Und auf die Deb\u00fctantinnen hat \u2013 anders als bei Wiener Opernball \u2013 schon gar keiner gewartet. Wo sich der Laubhaufen f\u00fcr wenige Tage auft\u00fcrmt, bevor sich die Bl\u00e4tter wieder in alle Winde zerstreuen, ist die Frankfurter Buchmesse.<\/p>\n<p>Vor drei Jahren war ich dort zuletzt \u2013 zum ersten Mal \u00fcberhaupt. Damals bin ich durch die Hallen geschlichen (wo man den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht und so weiter) mit dem Kainsmal derer, die m\u00f6glicherweise ein unaufgefordert erstelltes Manuskript mit sich tragen, auf der Stirn. Dabei hatte ich gerade mal 70 Seiten zu Papier gebracht und keine einzige davon dabei. Mit einer mehrfach falschen Identit\u00e4t \u2013 als IT-Beauftragte eines Z\u00fcricher Kunstbuchverlags \u2013 und akribisch vorbereitet mischte ich mich unters Fachpublikum. Wem sollte ich auflauern? Welche Verlage \u00fcberfallen? Doch wann immer ich mich einem von mir ausgeguckten Stand n\u00e4herte, schien es von hinter den B\u00fcchermauern zu schallen: \u201eWeiche Satan!\u201c Fallgitter runter, Zugbr\u00fccken hoch. Letztlich bin ich ganze drei Attacken geritten, auf kleine Gelegenheitsziele, mit achtbarem Erfolg. Ansonsten verfolgte ich das gro\u00dfe Literaturschach vom Spielbrettrand aus, umkreiste die K\u00f6nige und T\u00fcrme und blickte neidvoll auf die vielen kleinen Bauern. K\u00f6nnte ich nicht wenigstens auch so ein kleiner Bauer sein?<\/p>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter: Ich nehme dem\u00fctig zur Kenntnis, dass nicht alle der 20.000 deutschsprachigen Neuerscheinungsautoren in f\u00fcnf Tagen Buchmesse lesen k\u00f6nnen, und bin stolz, dass ich als kleines Deb\u00fctanten-B\u00e4uerlein am Stand von Kl\u00f6pfer &amp; Meyer mit meinem Roman Spalier stehen werde. Aber dann: Am Tag vor der Messe-Er\u00f6ffnung klingelt das Handy. Ich mit den Kindern auf dem Weg zur Klavierstunde, aus Autoradio quakt zum f\u00fcnften Mal hintereinander <em>Wer hat an der Uhr gedreht?<\/em>, Paulchen, Paulchen, mach doch weiter, jubelt es von der R\u00fcckbank, der Herbstregen prasselt, ich fahre kurz rechts ran. Ob ich den Springer machen k\u00f6nne? Eine Stunde Lesung und Gespr\u00e4ch mit einem medialen Gro\u00dfmeister des Feuilletons, im Haus des Buches, Sitz des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels.<\/p>\n<p>Damentausch: Daniela gegen Nina. Die wei\u00dfe K\u00f6nigin mit ihrer zarten und schrecklichen Geschichte eines nicht gelebten Lebens ist leider krank. Und also spielen wir, Gerwig Epkes vom SWR, der es tats\u00e4chlich geschafft hat, meine 384 am\u00fcsanten und schrecklichen Seiten \u00fcber ein falsch gelebtes Leben in drei Tagen oder N\u00e4chten zu verschlingen, und ich. Zug um Zug vor den von Nina geborgten Zuschauern, Zuh\u00f6rern. Ich schicke Dank und Gru\u00df an die wei\u00dfe K\u00f6nigin und bilanziere: Keiner ist gegangen, keiner ist eingeschlafen, und es gab sogar ein paar verkaufte Exemplare f\u00fcr den Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Laub f\u00e4llt, wirbelt der Wind durch den gro\u00dfen Literaturwald. Wer jetzt keine Lesungen hat, bekommt keine mehr. 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